2014-06-02

Juni 2014

Abschied von Wallis2014-06-01 Nachdem die Wettervorhersage der letzten Tage mit der Realität so gar nicht übereingestimmt haben, passen sie heute überraschenderweise wieder zusammen. Nicht nur das, das Wetter ist sogar brauchbar und so packen wir unser Boot zusammen und fahren nach dem Frühstück los.
Nach dem Pass schaukelt es wieder ganz gut, aber dann waren die Bedingungen ganz ok. 10-15 Knoten Wind etwa von der Seite sind immer gut, die Wellen sind zwar teilweiser recht hoch (2-3 Meter) aber lange genug, um nicht nervig zu sein. Wir segeln nur mit der Genua mit etwa 4,5 Knoten durch die Gegend und werden tagsüber auch nicht vom Regen heimgesucht.
Die Nacht beginnt sogar sternenklar und ein dünner Sichelmond zeigt sich für ein paar Stunden. Ab Mitternacht zieht es dann aber zu und wir kriegen doch noch ein paar Regenschauer ab, aber ohne Squalls, also nichts wildes.
Wer schauen will, wo wir gerade sind, kann auf http://www2.winlink.org:8081/maps/positionReports.aspx?callsign=OE6AME gehen, dann wird unsere letzte gemeldete Position angezeigt. Ich mache den Position-Report üblicherweise Mittags, also etwa um 0:00 UTC.
Wenn alles klappt sollten wir am Mittwoch oder Donnerstag in Fiji ankommen.

Fast perfektes Wetter
2014-06-04 Die zweite Nacht war größtenteils sternenklar, kein Regen, keine Squalls und wir sind mit durchschnittlich 5 Knoten auch sehr gut weitergekommen. Dafür hat uns gestern die verspätete Abfahrt eingeholt, sowohl das Brot als auch der vorgekochte Linseneintopf mit Kartoffelknödel waren schimmlig – ergo gab es nur Dosenravioli.
Zweite und dritte Tage auf See sind generell immer besser als der erste. Am ersten Tag schläft man meistens schlecht oder gar nicht, man ist müde und ungeschickt und wenn man zu Seekrankheit neigt, ist auch der erste Tag der schlimmste. Inzwischen sind wir aber halbwegs in unserem Rhythmus und die Fahrt ist bisher problemlos verlaufen.
Der dritte Tag war wieder einige Stunden am Wind Strecke, also wo alles schief steht und vom Tisch rutscht und jede Menge Spritzwasser das Leben in Cockpit zu einer sehr feuchten Angelegenheit macht. Nach der Somo Somo Passage ging es dann aber wieder mit räumlichen Winden durch eine wolkenverhangene und damit komplett dunkle Nacht. Kein Mond, kein Stern am Himmel, es war so finster das man wirklich die Hand nicht vor den Augen sehen konnte. Hab mal versuchsweise alle Bootslichter abgeschaltet und es war wirklich eine totale Finsternis.
Heute sind wir gegen Mittag gut in Savu Savu angekommen. Sind etwas groggy vom Schlafmangel, sonst ist aber alles ok. Die Behörden haben wir auch schon hinter uns und morgen schlafen wir mal richtig lang aus.

Der Markt in Savusavu
2014-06-16 Zurück in Fiji hat es uns gleich einmal erschlagen, soviel war los! Zuerst Savu Savu, ein größeres Dorf auf einer Nebeninsel in Fiji, das ja selbst nur ein paar Inselchen mitten im Pazifik ist, also nicht gerade der Nabel der Welt. Aber nach 4 Wochen in Wallis kommen wir uns vor wie in einer Großstadt! Ein Gemüsemarkt, öffentliche Busse, schnelles Internet, Hardware-Geschäfte, Roti Buden, Restaurants, jede Menge andere Segler, ….. man fühlt sich wieder wie in der großen Stadt. Und nach einem Monat fast ohne frisches Obst und Gemüse haben wir da auch gleich richtig zugeschlagen und kiloweise Bananen, Ananas, Karotten, Auberginen, grüne Bohnen, ….... heimgetragen und haben uns eine Überdosis an Vitaminen verpasst.
Der Reservecomputer wird repariert
Ein paar Reparaturen haben sich auch angesammelt, so hat unser Windgenerator auf der Rückfahrt nach zwei Tagen aufgegeben. Das war aber zum Glück nur ein kaputter Transistor und das haben wir recht flott wieder hinbekommen. Schwieriger war da schon der Reservecomputer, der sich plötzlich nicht mehr einschalten lies. Es hat sich zum Schluß herausgestellt, dass es nur der Ein-Aus-Schalter war, aber da drauf kommen, das ganze Ding zerlegen und dann eine passable Alternativlösung zu finden, war schon nicht ganz trivial, in so einem modernen Netbook ist halt schon recht wenig Platz. Jetzt haben wir auf der 'Bodenplatte' einen Taster eingeklebt und mit 2 Drähten zum kaputten Taster verlängert – und schaut gar nicht schlecht aus. Ein Reservecomputer ist übrigens auf den modernen Segelbooten ein wichtiges Teil. Wir fahren mit elektronischen Seekarten, empfangen unsere Wetterberichte über den Computer, verschicken e-Mails von unterwegs und auch die meisten Pilotbücher haben wir als Dateien am Computer. Das ist alles nicht nur gut und bequem sondern auch stautechnisch ein riesiger Fortschritt – auf unserem kleinen Boot wüßte ich auf die schnelle nicht, wo wir hunderte Papierseekarten stauen sollten. Nachdem so ein Computer also äußerst praktisch ist, die Dinger aber die Eigenschaft haben immer im unpassendsten Moment kaputt zu werden, hat man also einen in Reserve mit an Bord.
Die dritte Reparatur war dann nicht so erfolgreich. Bei meinem Rad haben sich die beiden Kugellager der Lenkstange verabschiedet – und sowas gibt es in Savusavu wieder mal nicht. Naja, vielleicht fahren wir die Tage mal nach Lambasa und schauen ob wir dort mehr Glück haben.
Dann war da noch die Jessie – unser Mäuseboot – da sind jetzt die Besitzer zurückgekommen und wir haben jetzt auch das letzte unserer 'betreuten Boote' wieder zurückgegeben. Hab da noch am letzten Tag die LiMa ausgebaut und für einen externen Regler umgebaut. Der eingebaute Regler war einfach nur Mist und hat erst bei 14,7 Volt abgeschaltet und damit ruiniert man sich in ganz kurzer Zeit seine Batterien.
Der erste Mooring wird geprüft
Einen neuen 'Job' habe ich auch schon wieder, seit letzter Woche bin ich der offizielle illegale Mooringtaucher der Savusavu Marina. Die Taucher, die das bisher gemacht haben, waren wohl alle nicht so wirklich zuverlässig, da wurden Anker falsch gesetzt, andere ganz vergessen und das ist so gar nicht gut für das Vertrauen, das man in einen Mooring haben sollte. Jedenfalls habe ich jetzt einen Job, wann immer ich Zeit dafür habe. Unter Wasser im Schlamm rumtoben und dabei einen Haufen Material rumjonglieren hat mir ja schon immer Freude bereitet. Zu dem Anlass haben wir uns auch gleich einen neuen Auspuff für unseren Kompressor gebaut und damit gleich nebenbei auch das Abschalt-Problem des kleinen Hondas gelöst. Die Abgase werden jetzt nicht mehr in den Motorraum geblasen, sondern direkt ins Cockpit und die Temperatur im Motorraum ist nun deutlich niedriger.
Chico bastelt sich ein Ruder
Sonst gibt es auch noch ein paar nette Baustellen auf den anderen österreichischen Schiffen. Chico – erst vor einer Woche aus Neuseeland und Tonga eingetroffen – bastelt schon ganz fleißig an seinen neuen Rudern – einer Alu, Schaum und GFK Konstruktion, die schon ganz gut ausschaut. Der Hannes von der Optimist ist seit 3 Tagen dabei sein Vorstag zu erneuern. Zum Abbauen sind mal alle Österreicher aus der Gegend (Chico vom Chi, Gerhard von der Najade, Heinz von der Mambo und wir) zusammengekommen um das empfindliche Aluprofil heil auf den Steg zu bekommen. Das ging auch ganz gut, danach hat es sich aber etwas gefuchst und er mußte die Rollreffanlage komplett zerlegen und die Verbinder aufbohren. Inzwischen schaut das Ganze aber wieder halbwegs gut aus und morgen ziehen wir es vielleicht wieder hoch.

2014-06-22 Zwei Sachen halten uns gerade auf Trab, mein neuer 'Job' als Mooringtaucher und unsere sterbende Hausbatteriebank.
Arbeiten mit dem Hebesack
Bei den Moorings habe ich vor ein paar Tagen einige Reparaturen gemacht, heute habe ich in einem alle 16 Moorings abgetaucht um zu schauen, in welchem Zustand die sind. Das Ergebnis war leider erschreckend, kein einziger wurde so gebaut, wie sie ursprünglich geplant waren. Statt in einem schönen Dreieck mit einer Seitenlänge von 3 Metern hat der Taucher, der die Installation gemacht hat, die Anker fast willkürlich eingesetzt und das hat bei einigen schon zu einem wunderschönen Kettensalat geführt. Das ist natürlich ganz großer Murks, das ist nicht sicher genug, wenn sich mal ein Sturm hier in die Gegend verirrt. Neue Moorings zu bauen ist gar nicht so aufwändig, aber die Anker jetzt wieder rauszuholen und richtig zu setzen, mit den angerosteten Schäkeln zu kämpfen bis man sie aufbringt und auch noch den Kettensalat zu entwirren, wird noch eine Riesenarbeit werden.
Damit nicht genug ist uns vor 2 Tagen auch noch eine unserer Hausbatterien gestorben. Das waren Interstate Batterien, die wir vor 3 ½ Jahren in Panama gekauft haben und die wirklich schlechte Qualität waren – was wir damals natürlich noch nicht wußten. Haben unterwegs schon jede Menge andere Boote mit Interstate Batterien getroffen und im Schnitt haben die überall nur um die 3 Jahre gehalten – im Vergleich, gute Batterien halten zwischen 5 und 7 Jahren, also etwa doppelt so lange. Naja, jedenfalls leben wir zur Zeit quasi auf 'Notstrom' und haben den Stress, neue Batterien zu organisieren bevor die zweite Batterie auch noch stirbt. Hier in Fiji ist das nicht einfach, vor den lokalen Batterien hat man uns schon gewarnt, die sind wohl noch schlechter als die aus Panama und importierte Batterien gibt es nur wenige am Markt und sie sind sehr teuer. Haben auch schon einen Haufen e-Mails in Richtung China losgeschickt, die Batterien dort sind trotz Transport immer noch billiger als die lokalen und wahrscheinlich auch noch besser. Jedenfalls weiß ich schon, daß wir nächsten Monat unser Budget überziehen werden, denn 800-1000€ werden die neuen Batterien schon kosten.

Die Batteriebox wird bebaut
2014-06-26 In Fiji die richtigen Batterien für unser Boot zu finden, hat sich als ziemliche Unmöglichkeit herausgestellt. Gesucht haben wir AGM oder Gel Deep Cycle Batterien mit 12V und 160-180Ah. Geben tut es erstens Mal nur 100Ah oder 200Ah, was ein echtes Problem ist. Mit den 100Ah Batterien bekommen wir eine zu kleine Batteriebank und die 200Ah sind gerade um ein Stück zu groß, als daß sie in unseren Batteriekasten passen würden. 200Ah ist wohl eine Art Standartgröße, unsere 165-180Ah aber scheinbar ein Sondermaß und das macht die Sache hier mitten im Pazifik auch nicht einfacher. Außerdem kämpfen wir jeden Tag mit der professionellen Inkompetenz der Verkäufer in den Batteriegeschäften. Oft macht der Verkäufer ganz andere Angaben zu einer bestimmten Batterie als sie im Datenblatt beschrieben sind – und wenn man sie darauf hinweist, sind sie felsenfest überzeugt, daß sie recht haben und das Datenblatt (einer großen Batteriefirma) falsch ist – das ist natürlich Unfug! Als Entschuldigung kann man nur gelten lassen, daß die Hersteller wirklich eine unglaubliche Fülle von Bleibatterien für verschiedenste Anwendungen anbieten und man schon genau lesen muß, um der völligen Verwirrung zu entgehen. Naja, so suchen wir uns seit Tagen durch verschiedenste Angebote, vergleichen Preise, prüfen Datenblätter und hoffentlich finden wir bald mal das richtige.
Erste Belastungsprobe der neuen Box
Da 200Ah Batterien generell viel leichter zu bekommen sind, haben wir vor 2 Tage beschlossen eine zweite Batteriebox zu bauen – dann kommt in Zukunft eine Batterie in die alte Halterung unter den Bodenbrettern und die zweite in die neue Box. So weit so gut, den Platz dafür zu finden war schon nicht so einfach, aber nachdem wir beschlossen haben, dafür den Petroleumtank im Motorraum rauszuwerfen, ist es sich irgendwie ausgegangen. Wenn man weiß, daß so eine 200Ah Batterie so zwischen 50 und 60 Kilo auf die Waage bringt, die 250Ah Typen sogar bis zu 75kg, dann kann man sich vorstellen, daß so eine Batteriebox auch nicht gerade filigran gebaut und im Schiff verankert werden kann. Also haben wir all unsere Sperrholzreste zusammengesucht und haben angefangen zu basteln – die Grundplatte war von einer Platte aus Fiji, die Seitenteile kommen aus Venezuela, die Vorderseite wurde wohl original in der Schweiz verkauft und die Rückseite haben wir uns von einem Nachbarboot besorgt und kommt von den Kanaren. Irgendwie haben sie sich am Ende dann aber doch alle vertragen und wir haben das Ganze noch mit ein paar Aluwinkeln verstärkt und und mit vielen Schrauben, Stützen und Gurten im Motorraum bombensicher verankert. Als Belastungsprobe hab ich mich dann mal reingesetzt und und habe gewackelt was geht! Netterweise war die Box davon sehr unbeeindruckt, also sollte es auch für die Batterie später reichen.

Der Hebesack wird geflickt
2014-06-29 Bin die Tage viel am Tauchen. Bei so gut wie keiner Sicht im Schlamm rumwühlen und dabei mit schweren Ketten, Helixankern und Hebevorrichtungen zu spielen hat mir halt immer schon Spaß gemacht. Die Helixanker wieder aus dem Schlamm zu drehen ist nicht ganz einfach und so brauche ich im Schnitt eine ganze Flasche - also etwa eine Stunde - um einen rauszubekommen und neu zu setzen. Ein wichtiger Bestandteil beim Rausdrehen ist da mein Hebesack, damit kann ich die nötige Kraft nach oben erzeugen. Wenn er dann fast draußen ist, muß man natürlich schnell die Luft wieder ablassen, sonst findet man den Sack mit dem Anker recht schnell an der Wasseroberfläche und dort braucht man ihn nur selten.
Vor 2 Tagen ist mir genau das passiert – mir ist beim Luftablassen die Bedienleine gerissen und dann ist auch schon der Anker an mir vorbei Richtung oben. Ist zum Glück nichts passiert, aber wenn der Sack oben umschlägt und die Luft rausgeht, dann kommt der Anker mitunter auch genauso schnell wieder runter und dann sollte man nach Möglichkeit nicht im Weg stehen.
Am selben Tag am Nachmittag ist mir der Hebesack noch ein zweites Mal abgehauen – diesmal ist der Gurt vom Sack gerissen und mysteriöserweise ist auch beim Sack die Naht 20cm aufgerissen. Naja, die Naht haben wir gestern geklebt und heute drüber genäht und auch den gerissenen Gurt haben wir ersetzt. Jetzt muß das nur noch halten, dann kann ich weitermachen mit meinen Moorings.
Um nicht ganz vergessen zu werden hat der kleine Honda, der unseren Kompressor antreibt, auch ein wenig den Aufstand geprobt. Nach einer Vergaserreinigung war er aber wieder glücklich und wir können wieder Flaschen füllen.

Kommentare:

  1. Hallo Andrea und Heinz,
    haben lange schon keine Nachtfahrt mehr gemacht, drum lese ich immer wieder gerne euer Log.
    Schön, dass ihr wieder gut zurück seid in Savu Savu!
    Wir planen übrigens für 2015 die Überfahrt Langkawi - Singapur - Südafrika. Mal sehen....
    Liebe Grüße
    Sonja+Alois

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  2. Liebe Grüße aus good old Austria!

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